Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
13. September 2013 5 13 /09 /September /2013 23:12
Jürgen Messensee`s „der 24. Mai“ Tag der Thais, Aspasia, Thargelia 
oder Imperia ?  
Katalog-Inhalt-VZ0001.jpg 24-maiklein1.jpg
„Nur der Schein trügt nicht“ , Max Liebermann

Nüchtern! Kalender - Originalblatt, übliches Kleinformat, deutlich sichtbarer Riss, 
vergrößert, gedruckt und bemalt in Präsentatiosgröße ( 227*160 cm).
Der Kunstkonsument rezipiert im Kunstwerk seine eigene Sinnlichkeit, er findet das gesellschaftlich  ästhetisch geformte Objekt auf der Ebene einer Nichtalltäglichkeit, der künstlerischen Werthaftigkeit.
Rot, alles erotisch rot, gesteigert in Lippen und Wimpern, ein enthemmter Körper, in sich lustvoll gekrümmt, entblößt sogar, liegt sie vor Messensee und uns, vielleicht jene Imperia, die Transfigurierte, die Raffael auf den Gipfel des Parnass erhob ?
Der Raum der Psyche,der Emotionen, der bewerteten Partialobjekte ist entsprechend seiner virtuellen Struktur (seine Existenz in Vergangenheit und Zukunft, damit Leben und Tod) an das Entsetzendes Chaotischen, die Abgründe der Realität gekoppelt. 
Pastoser Farbauftrag als Gerüst des Fleisches? Haare wirr, Messensee`sche 
Gesichtspartie im Mund zitiert. Definitive Bildbegrenzung . Fixiert durch Foto, 
gedruckt, medialer Raum nicht Fläche. 
Das Ausloten der Wirkungsweise der optischen Objekte auf den Künstler und die Rezipienten, deren Partialisierung, deren Befreiung vom herkömmlichen Kontext, deren optische Rekombinationswirkung, die neuen Räume, das neue besondere Sehen, die Destruktion der Konventionen der Produktion, die Störung des Basismaterials -der „Malfläche“.
Fotografiert und wieder gedruckt auf Textilem, dreidimensionale Illusion im Foto ,als Bild-Basis montiert , die „grundierte“ Leinwand, auf dem unteren Bildteil ein echter dreidimensionaler Farbklumpen, aber jetzt wirklich als Farbe greif- und sichtbar, daher kein multiples Objekt, ein Original in multipler (die vierte?) medialer Dimension.
In entwickelter Form ist daher der Kunstkonsum ein erweiterter Selbstgenuss, der sich der Spannung zwischen Künstler und Werk über die Aneignung des Werkes bewusst wird und nicht in ein passives Illusionieren versinkt.
Zeit täuschend durch den Riss fixiert, was war am 24.Mai? – Pfingstnontag.
"Denn wem ist die Zeit wie die Ewigkeit, der ist befreit von allem Streit" J. Böhme.“ Nunc stans“, die Zeit steht, Thomas von Aquin.
Kunst die zeitlose ?. 
Virtueller Realismus" bedeutet die Aufnahme der modernen Raum-Zeitauffassungen in die Kunst, unvorstellbar im euklidischen Sinn der starren Räume. Oder umgekehrt, aus der Kunst in die Wissenschaft ?
Der 24. Mai ist das Symbol (keine zeitgeistige Allegorie) des statischen Bildes - Kunstwerkes, denn: Kunst reflektiert das eigene Medium: Bild im Bild, Sprache in Sprache, Musik in Musik…. .
Das Spezifische an der künstlerischen Produktionist nämlich nichtdie Erzeugung des Kunstwerkesals die eines ästhetischen Objekts, denn ästhetisch sind letztendlich alle Objekte. Es handelt sich vielmehr um die Vergegenständlichung des aktiven Subjekts und seiner Welt auf derselben sinnlichen Seinsebene, mit anderen Worten: die Sinnlichkeit des Subjekts wird am Kunstwerk bewusst hinterfragbar dargestellt.
Alle Kunst ist Palimpsest im Eigenen, permanente Arbeit am bisher Fixierten, sie erscheint als das Unsagbare / Unfixierbare, als die Entsinnlichung des 
Versinnlichten. Die Hyperkomplexität (dagegen sind die Abstrakten Räume der Mathematik ja einfacher als ein Kunstpunkt!) der Kunst-Erfahrung, deren Destruktion in der alltäglich erfahrbaren Ästhetik, das absolut herkömmlich Unästhetische – das ist die Kunst. 
Die chaotische Leidenschaft geformt durch tausendfache disziplinierte Praxis des Künstlers, ergibt das ultimative Un-bild als Bild-kunst-werk.
Verkürzt kann die Funktion der Kunst gegenüber der Ästhetik also dahingehend bestimmt werden, dass die Kunst im Rahmen des gesellschaftlich gebildeten, aber unmittelbar sinnlich realisierten Orientierungsprozesses des menschlichen Individuums spezifisch der Subjektentwicklung dient. Ästhetik ist demgegenüber in einem selbigen Wertverhältnis primär mit der allgemein sinnlichen Organisation der Objektwelt befasst.
Der „24. Mai“ greift im Bild über seine Grenze, erscheint als körperliches Supplement der einzigartigen Realität (der Farbklumpen!) und ist doch Ergebnis des radikalen Konstruktivismus der Kunstproduktion. Messensee greift in B.Brecht`scher Manier ein, zeigt den Weg der Vernunft und der Täuschung über die Verfremdung im Werk.
Es zeigt sich im „24.Mai“ die Virtualität der Geltung (absolut, überhaupt und relativ) als Werk im System der Künste, der Verweis auf die Zirkulationssphären des Kunst - Wertes. (die Gesellschaft der Künstler), den Kommunikations-/Genusswert (Rezipienten) und den Tauschwert / Prestigewert / Fetisch (realisiert durch den Markt, Institutionen).
Messensee`s Ironie im Bild des „24.Mai“ widersteht der Sinnsuche im Auge des Betrachters. Romantisch wirkt seine gebrochene Dialektik der sinnlich begreifenden Erkenntnis. Die kritische Destruktion der scheinbaren Bildeinheit im Kunstsehen ist die kunsteigene Art des Sehens und Nichtsehens, welche aufgeblättert das Medium selbst als sozial-interaktives der verdinglichten Entfremdung entreißt.
Der „24.Mai“ eine ultimative Metapher des Unverständnisses durch den Normalsinn.Der Sinn der Kunst liegt im Kunstsinn als besonderes Ergebnis der allgemeinen Entwicklung / Veränderung der Sinne des Menschen durch die Industrie!
„Echo ten Thean! „ (Ich habe die Göttliche!)

Kursives aus Reinhold Sturm:
„Papiere“ Katalogtext zur Ausstellung Jürger Messensees 2006 in mel-art contemporary
gemeinsam mit Peter Moeschl in  „Ästhetik und Kunst“ Texte zur Werttheorie, Journal: Der Streit 1991 S. 45 ff

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by mel - in kunst
Kommentiere diesen Post

Kommentare