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4. Juni 2013 2 04 /06 /Juni /2013 11:36

 

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Linde Waber modern bis heute

Die Postmoderne Malerei ergeht sich in ihrem Missverständnis des Paradigmas der Kunst in der Nabelschau der Selbst-Interpretation. Die reine Subjektivität, die individuelle Kreativität der Künstlermonaden forscht und entwirft das Stirner`sche Bild des Menschen — sprich: einen Künstler, welcher nur seinem innersten Eigentum traut, es befragt und zur Produktion bringt. Eine Idee tausendmal, ein Leben lang variiert — Quelle und Garant der Originalität, wenn erfolgreich.

Linde Waber ist in diesem Sinn eine moderne Künstlerin — keine postmoderne, nicht ihr Selbst ist ihr die Quelle des Lebens und der Kunst, nein: In der Tradition der großen Realisten bezieht sich ihre Kunst auf die Realität, die Vielfalt menschlichen Lebens. Linde Waber sieht man in ihrem Werk nicht, sie arbeitet sich mit gegenstandsgerechten ästhetischen Mitteln an ihren Objekten ab. Linde bringt uns die Vegetationen in ihrer Essenz der Farb-/Form-Gestalt im Erlebniswerkzeug des Bildes nahe. Sie legt uns über taktiles Farb-Material und wesentliche Sichten der Vegetation zu Meer und zu Lande eine meditative Haltung und damit die Besinnung aufs Wesentliche des Farb-/Form-Naturerlebnisses nahe. Wir knüpfen  an unsere Seherfahrungen kritisch an, vertiefen und ergänzen sie um bisher Unerlebtes. Linde verdoppelt die Natur nicht, sie lässt uns ihre durch hunderte Werke gereifte Sicht- und Erlebnisfähigkeit über ihre Werke mit- und nacherleben. Ihre Abstraktionskraft gestaltet mit ihrem Formvermögen aus der Natur Kunsterlebnisse und Kunstobjekte, fixiert durch ihre Gestaltung Meerestiefen mit ihren Pflanzen, Tieren und Steinen zu unseren dauerhaften Erlebnisanlässen der Freude. Linde Waber bedarf weder der Schocks noch der Skandale, um als Künstlerin wahrgenommen zu werden.

Linde bleibt auch in ihren Atelierzeichnungen der objektivierenden Gestaltungsabsicht ihres zutiefst subjektiven Erlebnisses treu. Die Künstler als höchst unterschiedliche Persönlichkeiten, in ihren jeweils besonderen Arbeitssituationen, werden von Linde gezeichnet und wir, die wir in dieser Anzahl und Intimität nie diese Gelegenheit hätten, werden wie stille Beobachter in diese Situationen eingebunden.

 

Warum Linde das alles schafft? Linde lebt nicht — wie von vielen falschen Kunstfreunden oft von Künstlern gefordert — im Elfenbeinturm der Kunst, nein: Sie lebt und lebte ihr Leben sozial vital und voller Enthusiasmus, eingebettet in eine Unzahl von Projekten, Reisen und Kunstaktivitäten. Ihre Freude, Dynamik und Frustrationsfreiheit erleben wir auch in ihren Grafiken, Tuschzeichnungen und Bildern. Ihre reiche Lebenserfahrung, welche die Anregungen und Techniken aus Asien, Europa, der Karibik und Afrika kombiniert und in ihren Werken realisiert bringt in uns diesen wahren Reichtum zum Klingen.

Reinhold Sturm: Katalogbeitrag zur  Jubiläumsausstellung:  Linde Waber im Museum LEOPOLD, Wien 2010

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Published by mel - in kunst
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