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8. März 2013 5 08 /03 /März /2013 20:08

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"... meine ästhetische Tätigkeit liegt nicht in der speziellen Tätig­keit als Autor und Künstler,

son­dern im ein­zigen Leben, das nicht frei von nicht-ästhetischen Mo­menten und nicht

diffe­renziert gegenüber diesen ist, das in synkreti­sti­scher Weise gleich­sam den Keim

des schöpferi­schen plasti­schen Abbilds in sich birgt ..."

                                                    M. Bachtin: Autor und Held

 

"...denn dies ist ja das Wesen der Zeit, daß wir uns fort­wäh­rend ent­werfen, aus den

Augen ver­lieren, auf neue Art wieder­finden ..."

                                     P. Weiss: Ästhetik des Wider­stands

 

"Als Maler reflektiere ich, was geschieht, um diese Resonanz in etwas Übergeordnetes zu überführen."

Juergen Messensee

 

"Weder ist es also die physikalische Wirklichkeit eines äußeren in dieser Wirklichkeit sich wiederfindenden Bildes, noch ein inneres sich aus dem Erinnern oder aus der Vorstellung ableitendes Bild, das zum Anlass genommen wird, nein: es ist ein Geschehen, das Jürgen Messensee als Vorlage dient. Das muss nicht heißen, dass es sich um einen visuell wahrnehmbaren Vorgang handelt."

Werner Wolf

 

 

 

Das Rot des KATAMARANS erregt, dupliziert die Formen der Leidenschaft in den sattroten  weiblichen Segmenten.

Die Spektralverschiebung im Rot relativiert und verkoppelt die Intensitätsdifferenzen  des Begehrens von Augenbrauen, Mundhöhle, Brüsten, Nabel, Schamhaar und Zweikörperrand.

Wo ist der Kopf?

Der organlose Körper ist befreit!

Ein blaues Auge zeigt unser erotisiertes Schauen, starr wie das Aug’ der Medusen, entkleidet jeder Symbolik, ein Werkzeug für das Obszöne der Wahrnehmung und der Imagination der Rezipienten.

Sadismus des Blaus, fein quälend die geschundene Sucht.

Masochismus im Rot des nicht beißenden Mundes, lockende und verweigernde Geste der Lust renaissancegequälter Madonnen.

Verschoben, verschachtelt, verbogen, gerissen das Papier in charakteristischer Form des sich verweigernden Begehrens.

Wie Lacan in seinem Leiden am Versagen der letztlichen  Erfüllung. Die Verletzung, die Unsagbarkeit, die symbolische Kastration der Geschlechter in deren Begegnung.

 

Die „Netzhautmalerei“, das heißt die Objektproduktion der Maler für den „geschmäcklerischen“ Genuss, welche seit dem Impressionismus über  Picasso bis heute mit Recht verpönt ist, ist aber  im Akademismus der Postmodernen  (vgl. Adorno „Über das Altern der Neuen Musik“)  die weit verbreitete  Methode der Kunstproduktion.

Dagegen war vor fast einem Jahrhundert : Das Grosse Glas Duchamp’s  („Die Braut von ihren Junggesellen entblösst, sogar“ ....), das 1923 entgültig unvollendet ausgestellt wurde, der  kritische Bruch mit der gängigen Kunstauffassung, welcher bildlich realisiert wurde.

Jürgen Messensee stellt sich dieser Kritiktradition der bildenden Kunst: Denken und Erleben ist kontrastreich künstlerisch zu verbinden.

Die INTENSITÄT, als Hauptkriterium des messenseeischen Gelingens, hat ihren historischen Bezug vorallem  bei Van Gogh, der innovative Umgang mit Raum und Farbe  hat seine  Quelle bei Cezanne.

Jürgen Messensee`s Innovation zeigt sich in der Verlangsamung, der stringenten Verdichtung, der Ballung der sinnlichen Energien, der besonderen Messenseeischen Intensität, dem Suchen und Finden der Momente des sinnlich Intensiven (Bataille), den Wegen des Aufspüren’s der Energieflüsse und deren Stockungen, deren tausend Plateaus und dies alles simultan im transgredienten Subjekt (Bachtin) dargestellt, im Bildobjekt  strukturierter komplexer Texturen. 

Jürgen Messensee’s  Werk/Artikulation ist die ironische (gebrochen im Sinne der Romantik) Kritik der Malerei von der Renaissance bis heute, als Malerei, welche die intelligenten Ideen und deren sinnlichen Genuss in der kalkuliert haptischen Intuition der Produktion über die Farbe und den Stift zum Ziel hat.

 

Radikal- im Gegensatz zu opportunistischen Rezipientenideologien-  vermittelt Jürgen Messensee, dass der Künstler das Bild schafft, welches der Rezipient je nach Fähigkeit mehr oder minder in der Lage ist  zu erleben/zu erkennen. Messensee versucht Kunst und Leben, Werk und Rezipient nicht zu versöhnen.

 

Jürgen Messensee, ein Maler der Moderne im postmodernen Zeitalter (das ist die Zeit,in der die Moderne reflektierbar wurde), arbeitet  am Simulacrum, dem Kunstwerk, welches als Erlebnismaschine der Sinnesvorstellungen der Rezipienten derart funktioniert, dass sie den Rezipienten nötigt selbst Künstler zu werden: seinen ästhetisch-künstlerischen Wertefundus kritisch im Erleben des Werkes zu reflektieren. (Der Künstler ist der erste/strengste Rezipient. Die Wirkung des Werkes entscheidet über den Kunstwert- nicht die Bilder oder Erlebnisse des Künstlers in irgend einem unvermittelten Sinn)

 

Jürgen Messensee  erzeugt mit seinem Werk  eine Wahrnehmungs-/Erkenntnismaschine, welche mit der aktiven/reflektierten oder „passiv“/genießenden Haltung der Kunstkonsumenten via deren persönlichen Wertefundus und Vorstellungsvermögen (besser: Sinnes&Verstandesvermögen wie Form- und Farbsehen) eine neue virtuelle Erlebnisrealität im Subjekt schafft.

 

Sex und Erotik als Lustbenzin der Kunstmaschine, erstmals im Grossen Glas Duchamps realisiert, wirken nach Klossowski (vgl. Den Aufsatz „Lebendige Münze“)als Kapital (gesellschaftlicher Automat) der Emotionen, welchesder Kunst die Energie liefert und diese Energie über das arbeitende Subjekt in die Ökonomie speist.

 

Die Bildsprache Jürgen Messensee’s zeigt ihren Entstehungsprozess als Spur voller Intensität. Diese Intensität ist geboren aus dem unlösbaren Widerspruch  des Indivdualausdrucks gegen dessen Gesellschaftlichkeit, welchen er  in der Darstellung  nicht zu überwinden sucht.

Der Widerspuch von Vorstellung und Denken findet seine Form in den spezifisch persönlichen Emanationen der Bildsprache Jürgen Messensee’s, welche ihre Quelle in der permanenten Abwehr gegen das Eindringen und Einsickern der gesellschaftlich gegebenen Klischees,  Konventionen und Kunstverfahren hat.

Jürgen Messensee gewinnt die Freiheit der Form in der unvollendeten Durchquerung des persönlichen Fundamentalfantasmas (die Intensität des Begehrens im Unverständnis des Weiblichen), dem wiederholten, sich selbst nuancierenden Anlaufen an das Fantasma.

Ergebnis der intensivsten Anstrengungen ist die optische Partialisierung der symbolischen Organe und deren Projektion auf den organlosen Körper (Guattari/Deleuze).

Lippen, Augen, Finger, Brüste, Arme, Beine, Hände, Schenkel, Anus, Vulva, die Patialobjekte und deren Rekombinationen am Gesamtkörper, verdoppelte Körper, die Katamarane, Zähne, Mund und Münder.

Das Begehren, realisiert in den Beziehungen der Partialobjekte entlang der Bindungen der Intensität, wird mittels der sinnlichen Überdeterminierung der Farben, der räumlichen und stofflichen Faltungen und Fraktale, in Messensees Bildern zum Willen zur Lust.

Farben Rot, Blau in allen Differenzierungen bevorzugt, schwer zu beschreiben, da in deren Differenzierung dem visuellen Erleben ausschließlich zugehörig, verbunden der Faltung nach Deleuze, der Reflexion und damit dem Barock der selbstähnlichen Differenzierungen und Asymetrien.

 

Charakteristisch für moderne Genialität ist die Rück- und Einbindung des Schaffensumfeldes der Kunst, inklusive der kunstgeschichtlichen Höhepunkte in die praktische Dekonstruktion des Schaffensprozesses. Die Raum- und Material“gegebenheiten“ werden ganz im Sinne unseres postmodernen Paradigmenwechsels durch Messensee dekonstruiert und simultan konstruktivistisch reformuliert und über die Funktionsstrecke Werk-Rezipient-Gesellschaft-Künstler an die Realität rückgebunden, bar allen Solipsismusses.

Die persönliche Lexikalik und Semantik der Bildsprache Messensees, deren Farben, deren Ikonografie, deren Darstellung des Objektivierungsprozesses, zeigen die Elemente der Spaltung des gesellschaftlich deformierten Materials im Außen, in deren innerer Präsenz, wo die räumliche Darstellungsdimension und deren Effekte in den Intensitätsbeziehungen aller anderen malerischen Dimensionen zum Ausdruck zu kommen. Multiple, unvorstellbare Zeit-Räume - wie in der modernen Physik- werden relativistisch durch deren immense Intensitätsmasse.

Das offen kritische System der Kunst Jürgen Messensee’s mit seiner selbststabilisierenden Rückbindung im Realitätsbezug, zeigt ihn als politischen Maler, der  das intensive Individuum gegen das System der Vermassung setzt, der den Wahrheitsanspruch, die Verabsolutierung des Eigenen nicht aufgibt und das Entsetzen in der emotionalen Sichtung der Spaltung des Individuums spannungsgeladen zeigt.

"Virtueller Realismus" bedeutet die Aufnahme der modernen Raum-Zeitauffassungen in die Kunst, unvorstellbar im euklidischen Sinn  der starren Räume. Unvorstellbar auch die Metaphern der modernen Physik,  die ridged rooms, bootstraps, inflationären Welten und die Massedeformationen in der Zeit der räumlichen Existenz.

Der Raum der Psyche, der Emotionen, der bewerteten Partialobjekte ist entsprechend seiner virtuellen Struktur (seine Existenz in Vergangenheit und Zukunft, damit Leben und Tod) an das Entsetzen des Chaotischen, der Abgründe der Realität gekoppelt. Daher mit Adorno:  "Kunst heißt Chaos in die Ordnung tragen".

Das Ausloten der Wirkungsweise der optischen Objekte auf den Künstler und die Rezipienten, deren Partialisierung, deren Befreiung vom  herkömmlichen Kontext, deren optische Intensivierung, deren Rekombinationswirkung, die neuen Räume, das neue besondere Sehen, die Destruktion der Konventionen  der Produktion, die Störung des Basismaterials - der „Malfläche“- das führt Jürgen Messensee zu neuem Sinn aus dem Nonsense des Realen.portrait-Kopie-1.jpgP1070369.JPG

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Published by mel - in kunst
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