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24. November 2008 1 24 /11 /November /2008 20:41

Der ethisch/moralische Wert

ist ein System der Verhaltenskodizes, der Verhaltensnormen bis zu internationalen Normen Rechten und Pflichten. Seine Vergegenständlichung findet dieser Wert in der Ideologie der Rechtssysteme/Institutionen in Verbindung mit politischen und religiösen Werten.

Der wissenschaftliche Wert

Sein Maß ist die Sicherung der Orientierungsfähigkeit des Menschen in dieser Welt. Dieser Wunsch nach objektiven Erkenntnissen produziert Hypothesen, Theoreme, Theorien und materielle Produkte zur partiellen Erweiterung der menschlichen Orientierungstätigkeit in der Form von Erkenntnis-/Wahrnehmungsmaschinen (Mikroskop, Fernrohr, Computer etc.).

Inwieweit individuelle Behauptungen wissenschaftlichen Wert haben, das heisst, gesellschaftlich wirken und anerkannt werden, das hängt vom institutionalisierten wissenschaftlichen Diskurs ab.

Die logische Geltung (Widerspruchsfreiheit) wissenschaftlicher Aussagensysteme ist nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für deren gesellschaftliche Anerkennung. Selbst die praktische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse gibt als hinreichende Bedingung der Gültigkeit des Wertes der wissenschaftlichen Erkenntnisse, ein lediglich historisch relatives Kriterium an.

Die Erkenntnis der historischen Prozesshaftigkeit der Natur, des Sozialen und des Psychischen führt zur Veränderung der Denkformen, Denkmethoden und damit der wissenschaftlichen Metaphorik und der Begrifflichkeit. Ein Beispiel ist die zunehmende Ablehnung der naturwissenschaftlichen Metaphern in den Subjektwissenschaften (z.B.: hydraulische Modelle in der Psychoanalyse) und deren Ersetzung durch die Begrifflichkeit der Linguistik (vgl. Lyotard, Laclau, Foucault) das signalisiert die Krise der Gesellschafts-Wissenschaft und ihrer Ideologie.

Ein sogenannter Paradigmenwechsel (Wechsel der Grundannahmen) in der Wissenschaft wird durch die Hereinnahme irregulärer, komplexer, zeitlich irreversibler (dissipativer) in Selbstentwicklung (Autopoiese) begriffener Realitäten (Prigogines „Gesetze des Chaos") notwendig. Die alten Modelle behalten ihre relative Gültigkeit unter Beachtung der nunmehr explizit bekannten Abstraktionen (Randbedingungen), bzw. sinken zu Ideologien ab oder werden sie als Widersprüche (logische!) eliminiert.

Der politische Wert

Sein Maß ist der hegemoniale Diskurs in den Klassenkämpfen. Er ist die Artikulation einer spezifischen ideologischen Sichtweise der sozialen Realität durch den "Herrschenden Block an der Macht". Der liberal-konservative Block bildet derzeit ein neues Äquivalenzsystem politischer Werte, welches "die vielfältigen Subjektpositionen um eine individualistische Definition von Rechten und eine negative Konzeption von Freiheit herum" (Laclau) vereint. Die Artikulation der sozialen Differenzen als individuelle Schwächen und die positive Umdeutung der hierarchischen Unterdrückungsverhältnisse als soziale Ausschließungsverhältnisse ("Sozialschmarotzer") soll die Macht des herrschenden Blockes sichern. Der politische Wert vergegenständlicht sich im Bedeutungssystem der Institutionen des Staates, der Zivilen Gesellschaft und dem medialen System. Da diese Bedeutungen als bewertete Beziehungen des Individuums zur eigenen Sozialität erfahren werden, stellen sie den wesentlichen Hebel für die Änderung des Sozialen und der Subjektposition dar.

Der religiöse Wert

Sein Maß ist die synkretische, alle Wertarten umfassende Vernetzung der Werte um den Kern eines Zentralwertes, welcher in seiner jenseitigen Form die Sicherheit der Weltorientierung bietet. Dieses Wertezentrum schafft, trotz aller Polymorphie der einzelnen Wertarten in der Geschichte von Religionen, die feste Identität des Individuums in seiner Glaubensgemeinschaft. Die Vergegenständlichung des religiösen Wertes in Dogmen, Ritualen und Verhaltensnormen bietet in der fragmentierten Welt der Unsicherheit die Instanz der Sicherheit. Die Quelle der Wertebildung wird ausserhalb des Subjektes verortet - im Jenseits, in der Göttlichkeit, im stabilen, ewigen Wesen. Das religiöse Subjekt ist sich der absoluten Werthaftigkeit der Welt im religiösen Gefühl (Glauben) bewusst. Der religiöse Wert ist die Verabsolutierung des subjektiven Wertaspektes dieser Welt. Dem religiösen Individuum ist seine eigene Fähigkeit Werte zu produzieren mystifiziert, fremd. Indem es sich aber das absolut Fremde (Göttliche) als eigenen, erlebbaren Wert zu eigen macht, fühlt es sich frei.

"Ich glaube, weil es absurd ist" , so lautet eine mittelalterliche religiöse Selbsterkenntnis.

Utilitaristische Wert

Oberflächlich betrachtet stellt der utilitaristische Wert den Prototyp einer Wertrelation dar. Versucht man aber den utilitaristischen Wert über ein Wertmaß qualitativ zu bestimmen, dann zeigt sich, dass die hier angesprochene Nützlichkeit/Brauchbarkeit keine eigene Qualität ausdrückt, sondern wiederum fremdbestimmt ist. Der utilitaristische Wert wird nämlich über einen teleologisch gesetzten Zweck qualifiziert (Finalität). Es wird in dieser Wertrelation somit vom lebenden Prozess der Wertbildung, dem subjektiven Moment, abstrahiert. Die Wertrelation versteinert zu einem toten Schema, das mechanisch exekutiert werden kann (Objektivismus).

Der ökologische Wert

Als Wertart hat sich der ökologische Wert, das System der praktischen Ökologie und der damit verbundenen Artikulationen, in Widerspruchsketten etabliert. Die vom Menschen ausgehenden Gefahren für die Umwelt werden mit den Gefahren, welche auf Grund der Rückwirkungen menschlicher Handlungsweise für den Menschen entstehen gekoppelt. Die Natur wird aus utilitaristischer Sicht als homoöstatisches System interpretiert, welches zu erhalten sei. Aus der Sicht neuerer ökologischer Auffassungen wird in der Form der lokal emergierenden Biosphären, mit ihren prozessualen Instabilitäten, die permanente Innovation realer Prozesse betont. Mit der Einsicht, dass die Bedrohung der Natur noch niemals grösser als heute war, wird kritisch das Maß des ökologischen Wertes angesprochen. Die Ausgrenzung, die Vernichtung von weltlichen Entwicklungsmöglichkeiten, bilden Schranken und Lasten (Kontaminationen) für eine zukünftige Vielfalt der Arten und deren Art und Weise des Zusammenlebens. Positiv formuliert, greift jede praktische Tätigkeit des Menschen, jeder realisierter Wert in das ökologische Regulationssystem ein, schafft neue lokale Umwelten. Die Destruktion der Offenheit der evolutionären Entwicklungspotentiale ist der Effekt der Reduktion des weltlichen Regulationssystems auf kurzfristige Gewinne jeder Art. Nur der radikal-demokratische Diskurs beachtet die Lokalität, Offenheit und evolutionäre Dynamik ökologischer Systeme. Insoweit ist der ökologische Wert ein Interwert (ein Kopplungsergebnis von Werten), wie er als Theorie eine Intertheorie (interdisziplinäre Theorie) darstellt.

 

Vier Grundrichtungen des Wertes

Vielleicht konnte gezeigt werden, dass die Gesellschaftlichkeit nicht unmittelbar erfahrbar ist. Sie ist die "Entäusserung" des Menschen in dieser Welt ist, und über die werthafte Reflexion auch erkennbar und beeinflussbar (nicht machbar!) , das zeigt die Dominanz der Praxis gegenüber der Theorie. Auch spontanes Handeln setzt Werte, produziert Realität und Geschichte. Der Mensch realisiert seine Natur in der Gesellschaftlichkeit und modifiziert sie, indem er sich produziert.

Die Gerichtetheit menschlichen Lebens differenzierte sich in vier "Vektoren". Ich werde sie die vier Grundrichtungen des Wertes nennen. Diese stellen als Identität ( mit aller inneren zeitlichen, "räumlichen" Differenziertheit und Widersprüchen) die Ziele der Persönlichkeit, als unterschiedliche Intentionalität, unterschiedliche Praxen dar.

Produktive Gerichtetheit

Darunter ist die zweckhafte (interessensgeleitete) praktische Gestaltung (Produktion, Reproduktion) der Welt (= bewertete Erde) zu verstehen.

Erkenntnisorientierte Gerichtetheit

Diese zeigt sich in der Produktion von Konstrukten, Modellen, Hypothesen und Theorien zur Orientierung im praktischen Lebensprozess.

Konsumierende, genießende Gerichtetheit

Dieser "Vektor" hat das Werterlebnis als Zweck und Ergebnis.

Kommunikative Gerichtetheit

Jede menschliche Tätigkeit bedarf der intra- und interpersonellen Kommunikation, sie ist die natürliche Basis der Gesellschaft.

Entsprechend der genannten Intentionen, welche in der synthetisierenden Einheit der Persönlichkeit nur als intentionale Aspekte der subjektiven Realität wahrgenommen werden, entfalten sich die Produkte, die Institutionen - d.h.: das reale System der Werte, des Werts (als Einheit des Mannigfaltigen). Gezeigt wurde, dass über die historische Praxis der Wert sich in vergegenständlichte Wertarten differenziert. Jetzt soll die Richtung ("Vektor") des Wertes im Sinne einer dynamischen Metapher der Persönlichkeit und Gesellschaft diskutiert werden.

Produktive Gerichtetheit

Der Produktionsprozess von Gebrauchswerten, welcher die Stoffwechselprozesse der Menschen mit der Natur realisiert, ist das Basismoment der menschlichen Existenz als Naturwesen und setzt die Reproduktion und soziale Formbarkeit der realen Welt (gegenständliche und soziale Realität).

"Der Artikel, der Ware und daher Träger des Tauschwertes sein sollte, musste irgendein gesellschaftliches Bedürfnis befriedigen, daher irgendwelche brauchbare Eigenschaften besitzen. Voila tout. Anders mit dem Gebrauchswert der Waren, die im Produktionsprozess funktionieren. ... Die Formbestimmung des Gebrauchswertes wird hier selbst wesentlich für die Entwicklung des ökonomischen Verhältnisses, der ökonomischen Kategorie."(K.Marx)

Der Reproduktionsaspekt, der Aspekt der Notwendigkeit der geleisteten Arbeit drückt die Minimallinie der Ökonomie aus, die Erhaltung der Realität, er orientiert sich an vergangenen Werten.

Der Maßstab des Kapitals ist die Masse des veranlagten Kapitals zu einem Startzeitpunkt der Produktion. Man sagt,es wird konstantes (Gebäude, Maschinen und Rohstoffe) und variables (Lohn) Kapital vorgeschossen. Der Wert dieses Kapitals ist zu diesem Zeitpunkt jeweils bestimmt. An ihm misst sich das Wert-Produkt des Produktionsprozesses zum Zeitpunkt der Wertrealisierung, also später. Also bestimmt die jeweils schon verausgabte Arbeitszeit, die schon vergegenständlichte Arbeit (das vorgeschossene Kapital), die Effektivität, den ökonomischen Wert der Produktion.

Die Struktur des Kapitals (die "Tote Arbeit") bestimmt in ihrer Dynamik als Wert die "sinnvolle" Allokation der Arbeitskraft und damit das Wertquantum in seiner gesellschaftlichen Proportion zur Erhaltung des Ganzen. Die kreative Neuformung der sozialen Realität ist der gebrauchswertmäßige Widerspruch zur Reproduktionsnotwendigkeit des Kapitals. Produktivität ist Entwertung. Das widersprüchliche Maß der Produkivität ist der Neu-Wert in seiner Differenz zur Vergangenheit (Wert) und die tendenzielle Entwertung des Wertes durch die Neuheit des Gebrauchswertes. Implizit ist dieser Gerichtetheit die Tendenz zur Reproduktion der sozialen Abhängigkeiten, der Klassen, der Eigentumsformen, weil der Bezug vergegenständlichter Wert zu lebendiger Arbeitskraft durch die Trennung in Eigentümer der Produktionsmittel und Eigentum am Lohn (Lebensmittel im weitesten Sinn) permanent reproduziert wird.

Die Vergegenständlichung dieses Gerichtetheitsaspektes realisiert sich im ökonomischen Maß - dem Geld bzw. im Kapital als Bewegungsform des Widerspruches Gebrauchs-Wert und Wert (ökonomischer Wert).

In jeder Gesellschaftsformation gibt es den Widerspruch zwischen Individuum und Gesellschaft. Dieser Widerspruch kann in seiner Verdoppelung als Gesellschaft - institutionalisierte Gesellschaft (= Staat) und Persönlichkeit auch als Widerspruch zwischen Volk - Staat - Individuum, d.h. als transienter Herrschaftsaspekt der Geschichte der Produktionsweisen aufgefasst werden. Darüber hinaus verweist die klassenmäßige Spaltung der Gesellschaft selbst auf die Frage der Wertformen als jeweils formationsspezifischer Ausprägung der Herrschaft auf der Basis der Produktionsweise (... Feudalismus, Kapitalismus ...). Die Wertform der Klassengesellschaften ist also die durch die jeweilige herrschaftsmäßige Dominanz gesicherte Wertsetzungsmacht zur Reproduktion der existierenden Klassen.

Im Kapitalismus mit seiner Tendenz zur allgemeinen Wertform, welche nichts anderes ausdrückt, als dass tendenziell alle wertsetzenden Tätigkeiten der Dominanz des ökonomischen Wertes untergeordnet werden, ist die Form des Privateigentums der letztgültige Ausdruck für die klassenmässige Individualisierbarkeit der Werte. Diese allgemeine Wertform, deren kapitalistischer Ausdruck in der Verdinglichung der Werte und Versachlichung der Herrschaftsbeziehungen zu finden ist (Fetisch) spiegelt im Kapital als verselbständigten dinglichen Wert die derzeit dominante Wertebeziehung wider. Die Wertform als Kapital, welche der prozessierende Widerspruch zwischen individueller Wertsetzung im Produktionsprozess und indirekter Vergesellschaftung und Bewertung dieses potentiellen Wertes über den Markt ist, stellt die allgemeinste und abstrakteste Ausdrucksform des Wertmaßes dar. Es ist die zur Abstraktion geronnene Gesellschaftlichkeit der Wertsetzung, das Geld. Alle Nichteigentümer müssen arbeiten, müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, das heisst: vergesellschaften. Die verallgemeinerte Beziehungsnorm der Menschen zu ihren Produkten (Wert), ist die gesellschaftliche (abstrakte) Arbeit, welche ökonomischen Wert hat, weil sie ihre Notwendigkeit dadurch beweist, dass sie rekursiv die Proportionalität der eingesetzten Arbeitszeit reproduziert. Die dynamisch funktionierende Arbeitsteilung zeigt in ihrer jenseits vom Gleichgewicht existierenden Stabilität die gesellschaftliche Notwendigkeit von gesellschaftlich geleisteter Arbeit an. Diese Stabilität stellt, mit ihren systemimmanenten Krisen, das letztgültige Maß für den ökonomischen Wert dar.

Denn entscheidend für die Realisierung des im Produktionsprozess gesetzten Wertes ist seine Notwendigkeit. Implizit ist also der indirekten Vergesellschaftung (= Anerkennung der gesetzten Werte über den Markt) deren permanentes Ungleichgewicht, deren Disproportionität und Verschwendung - sie entwikelt ein "Gleichgewicht" jenseits der Symmetrie.

Aus dem Gesagten ergibt sich quasi logisch, im Sinne der Dominanz des ökonomischen Wertes, dass alle Tätigkeiten welche nicht der Macht der jeweils herrschenden formationsspezifischen Wertform unterliegen, als nicht bedeutsam erscheinen. Dies kann, wie bei der unmittelbar vergesellschafteten Arbeit der Frau, der Reproduktion der Natur und Psyche von Kindern, Männern, Kranken, soweit gehen, dass diese Arbeit als soziale Arbeit nicht wahrgenommen wird. Das Patriarchat wurde als geschlechtsspezifische Herrschaftsform jeweils durch die entsprechenden dominierenden Wertformen, und deren dominierende Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse überformt. In der Sklavenhaltergesellschaft, oder im Feudalismus, sind es jeweils unterschiedliche persönliche Abhängigkeiten, Eigentumsformen, welche die gesellschaftlichen Beziehungen (auch Ausbeutung) regeln.

In einer Gesellschaftsformation, in welcher "jeweils nur solche Tätigkeiten und die verknüpften Bedürfnisse entwikelt (werden R.S.), die am Markt bestehen konnten, die sich also lohnten, was die Verausgabung von Zeit anging blieben alle Produktionen und Tätigkeiten auf der Streke, deren Spezifik eine extensive Zeitverausgabung ohne entsprechend großes Produkt war. Es liegt in der Logik der Sache, dass der größte Teil der agrikulturellen Tätigkeiten ebenso wie Wald- und Naturpflege, ja im Grunde auch das Aufziehen von Menschen mit der Logik der Zeitreduktion unverträglich sind ... (Es R.S.) treibt diese Entwicklung eine Spaltung der Menschheit voran in solche, die sich am Markt bewähren können, und solche 'Teilmenschen', die unter dem Niveau der Durchschnittsmenschen tätig sind. Hier kündigen sich die 'dritten Welten' und ihre Verelendung an."(Frigga Haugg)

Erkenntnisorientierte Gerichtetheit

Im Beobachtungsprozess (Reflexion, Erkenntnis) setzt das Subjekt das Objekt als unabhängig, trennt die reale Beziehung künstlich zum Zweck der Analyse des Objektes. Die Intention der Wissenschaften, auch der Naturwissenschaften ist die ideelle Vergesellschaftung der Natur (der ersten = die Natur und der zweiten = die soziale Natur). Die konkrete Form dieser Vergesellschaftung wird, wie in der Produktion, über die Anwendung gesellschaftlich gegenständlicher Mittel im experimentellen Arbeitsprozess erreicht. Diese gegenständlichen Mittel (Werkzeuge und Denkzeuge) implizieren naturhaft-soziale Dimensionen der Arbeit und stellen somit einen energetisch-informationellen Eingriff in die Natur dar.

In der älteren Auffassung von Wissenschaft wurde die beobachtende Intentionalität in der Weise verabsolutiert, dass die Materie (unbewertete Welt) nur zur Entwicklung (Entelechie eines vorgegebenen Weges) fähig schien, aber nicht zur Produktion von Neuem, insbesonders neuer Gesetze. Diese Auffassung führte zur Meinung, dass Naturgesetze nur zu entdecken seien - nicht zu produzieren. Die produktive Gerichtetheit menschlichen Handelns erscheint in dieser Auffassung negiert. Der Mensch erscheint als reines Naturwesen in Identität mit seiner als asozial gesetzten Welt.

"Die dialektisch-materialistische Denkweise ist nicht 'objektiv' in dem Sinne, dass sie physikalisch die Seinsart alles Seienden auf jene ontologischen Strukturen reduzieren würde, die in der anorganischen und aussermenschlichen organischen Wirklichkeit gefunden (oder vermeintlich aufgefunden) werden. Die spezifischen Unterschiede der Seinsarten werden hervorgehoben - im Rahmen einer einheitlichen Welt, deren Entwicklungs- und Struktureinheit in ihrer Materialität beruht. Das wissenschaftliche Denken im Rahmen des materialistischen Rationalitätstyps distanziert sich deshalb und dadurch von der objektivistischen Haltung, dass es begreift, dass die Menschen zugleich Autoren und Schauspieler des gesellschaftlichen Dramas sind und das gesamte Denken ein Moment der Praxis ist".(Zeleny)

Ilia Prigogine weiß es hoch zu bewerten, dass die Idee einer "historischen" Natur, einer Natur, die der Entwicklung und Innovation fähig ist, "schon vor langer Zeit von Marx und in detaillierter Weise von Engels als integrierender Bestandteil der materialistischen Auffassung vertreten wurde."

Letztlich äußern sich die neuen Paradigmen der Wissenschaft und praktischen Lebensführung in der Erkenntnis, dass die Regulation der Entwicklungsprozesse der ganzen Welt der Gegenstand wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellungen sind. Die Kategorie des Wertes ist die zentrale Kategorie jeder Regulationsauffassung.

Wissenschaft ist die vergesellschaftete, vergegenständlichte Produktion von ideellen Konstrukten zum Zweck der praktischen Orientierung. Dies drückt sich in der Zuschreibung des Wertes Wahrheit aus, einem Bewertungsergebnis. Erkenntnisse, Einstellungen als persönlichen Orientierungswert nennt man Weltanschauung.

Konsumierende, geniessende Gerichtetheit

Die Realisierung des Wertes erfolgt in der bedürftigen individuellen Aneignung der werthaften Realität. Der Wert ist im Moment seiner Produktion und Zirkulation obwohl gegenständlich schon gesetzt, noch eine quasi ideologische, subjektive Erscheinung. Er muss seine Realität in der individuellen Befriedigung von Bedürfnissen zeigen.

Insoweit hebt das konsumierende Individuum das "für sich sein" der gesellschaftlichen Wertsetzung und das "an sich sein" der gesellschaftlichen Wertexistenz im "an und für sich sein" des Konsums auf. Das Individuum ist nun als gesellschaftliches bei sich selbst, vermittelt über das gesellschaftliche Objekt, das Mittel des Konsums. Dieses Mittel hat wie jedes Mittel einen produktiven Charakter, es dient der erweiterten Produktion der Persönlichkeit, entwickelt oder deformiert sie. Das Individuum negiert in der Konsumation die fremde Existenz des Wertes als nur gesellschaftlich gesetztem mit dem Mittel seiner individuellen Gesellschaftlichkeit.

Es ist nur insoweit fähig Werte zu konsumieren, als seine Gesellschaftlichkeit entwickelt ist, d.h.: Seine Bedürfnisse und damit der Reichtum der Fähigkeiten. Der individuelle Wertefundus ist die Quelle des Genusses, insoweit genießt die Persönlichkeit sich selbst, ist bei sich, realisiert einen Wunsch, den noch nicht realisierten Wert. Bei entsprechender Wertdynamik der Persönlichkeit kann auch das Neue, die bewertete eigene Entwicklungsfähigkeit zur Quelle des Genusses werden, nicht nur das "Wiedererkennen".

Der Mensch schafft seine Sinne, indem er produziert und seine Sinnlichkeit in der Konsumation, welche eine aktive, praktische Kritik des Selbst darstellt. Die Erotik ist die Projektion des Wunsches auf den/die Anderen, die Sehnsucht nach Wert-sein, Wert-haben, Wert-werden. Wert im Anderen sein. Der eigene Andere ist der Körper, das eigene Naturwesen.

Kommunikative Gerichtetheit

Der Wert existiert nur im kommunikativen Raum. Wert haben ist keine Eigenschaft der Realität isolierter Objekte. Wert ist eine Beziehungskategorie. Die Humanattributierung der Realität realisiert sich in der menschlichen Kommunikation der Werte, dem Verhalten. Bestimmend sind die Werte als Verhältnisse, sie sind aber nur gesetzt, müssen über menschliche Kommunikation permanent realisiert werden, damit sie wirken, existieren.

In der Differenz zwischen intrapersoneller (mit sich) und interpersoneller (mit den anderen) Kommunikation eröffnet sich der Unterschied zwischen persönlichem Sinn und gesellschaftlicher Bedeutung. Die konnotativen Valenzen werden emotional emergiert, die physische Realisation der Psyche ist der notwendige Durchgangspunkt der Werte, der Sinnbestimmung des Realen für die Persönlichkeit. Die Diskursivität der Sprachen (auch der nonverbalen) vermittelt die vergesellschafteten Aspekte der Realität als objektivierte Humanität.

Der Markt ist der kommunikative Raum des ökonomischen Werts. Am Markt treffen sich Geld und Waren. Das Geld in jeder Form (Gold, Papiergeld, Kredit ...), als allgemein gültiges Zeichen von Wert, vermittelt die reale Vergesellschaftung der Werte (Waren). Das Geld realisiert als das allgemeine Wesen der Ökonomie das wahre Gemeinwesen unserer Epoche: den Kapitalprozess, den Wert hekenden Wert, die Wertproduktion um der Mehrwertproduktion willen.

Schlussbemerkung:

Die Gesellschaft ist als komplexes prozessierendes „System" (jenseits vom Gleichgewicht, im Sinne der Chaostheorie, und Marxens Auffassung z. B.: im Band 2 des Kapital's):

1. relativ unabhängig von der Einzelpersönlichkeit

2. "funktioniert" nach den auf Individuen irreduziblen Gesetzen von Ensemblen von Personen, deren Mitteln, Zielen und Werten;

3. sie ist umso fremder (unbekannter "Gesetze" entsprechend) je weniger die Personen in ihrer Erkenntnis und Praxis der Dynamik der Gesellschaft entsprechen können; bzw. deren "Gesetze" gestalten können; je grösser der Widerspruch zwischen Gesellschaft und Persönlichkeit erfahren wird; je unbeeinflußbarer die Gesellschaft in ihren Elementen und ihrer Dynamik erscheint.

In den klassengesellschaftlichen Formationen und in Gesellschaftsformationen, welche Gesellschaft und Individuum durch Subordination des Individuums unter die Gesellschaftlichkeit entfremden und damit ein Staatseigentum (= entfremdete Form der Gesellschaftlichkeit, spezifische Form des Privateigentums einer Klasse oder Gruppe) an Werten setzen, gilt: dass der Zusammenhang des Wertes von seiner Setzung, Existenz bis Realisation dahingehend gespalten ist, dass die Wertsetzung den gesellschaftlichen Individuen zukommt, aber die Zirkulation und Aneignung durch das Eigentum (Eigentümer) bestimmt wird. Damit werden aber auch die Ziele der Wertsetzungspotenz, die Distribution der subjektiven und objektiven Wertproduktionsfaktoren, die Distribution der Werte und die Verfügungsmacht über die Werte von den Produzenten getrennt.

Wird nun die Kommunikation der Werte über die indirekte Vergesellschaftung (in "Märkten", demokratische Institutionen, kulturelle Orte der Kommunikation) "ausgeschaltet", dann wirkt sich die Gesellschaftlichkeit als Zwang und Willkür der Herrschenden aus. Über den Weltmarkt setzt sich das Wertgesetz (= Minimallinie des ökonomischen Wertes) auch für diese Gesellschaftsformation durch. Jedenfalls gibt es in allen Gesellschaftsformationen immer Bereiche der Wertproduktion (seien es nun Dinge oder "Dienstleistungen"), welche direkt vergesellschaftet werden und solche, welche indirekt vergesellschaftet werden müssen. In welchen Proportionen und Qualitäten welche Bereiche der Werteproduktion direkt zu vergesellschaften sind und welche demokratischen Spielregeln dabei eingehalten werdem sollen,ja das halte ich für die zentrale Frage unserer Epoche.

 

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